Das Deutsche Rote Kreuz und sein Monopol in BaWü

18. April 2011
Am  8. Dezember  1976 stirbt  ein Arbeiter  im Stuttgarter 
Vorort Hoffeld  an  einem Herzinfarkt. Der Rettungswagen 
des DRK erreicht nach Angaben von Arbeitskollegen erst nach 
über 20 Minuten den Unfallort.
Nach Aussage von Horst Tüttelmann hätte der bei der Feuerwehr 
stationierte Wagen schon nach drei Minuten vor Ort sein können.

Dieses Zitat stammt aus einer Bachelor-Arbeit zum Rettungsdienst in Baden-Württemberg, wo das Deutsche Rote Kreuz seit jeher ein Monopol hat und dieses mit fast allen Mitteln verteidigt. Der Autor Sven-Ole Matsch beschreibt in seiner gut 80 Seiten starken Arbeit, wie dieses Monopol zu Stande gekommen ist, wie das DRK es verteidigt und wie die Bürgerinitiative Rettungsdienst und das Forum Notfallrettung versuchen, dagegen anzukämpfen.

„Hier   in   meinem   Nachbarkreis,   in   Göppingen   ist   
die   112   bis   heute   noch   nicht umgesetzt.  Im 
Landkreis Hohenlohe, das ist nördlich von Heilbronn ist 
auch nichts passiert. Ich habe daraufhin dem Landrat geschrieben,
der zudem  Vorsitzender vom DRK Kreisverein ist, dass er ab 
sofort per Anweisung vom Sozialministerium dazu verpflichtet ist, 
die 112 umzusetzen. Er antwortete mir, dass das DRK entscheiden 
würde, wann das umgesetzt wird.  Der Landrat hat also auf einem 
Briefbogen des Landratsamtes im Sinne des DRK geantwortet“

Ich kann diese Arbeit nur empfehlen, sie ist wirklich lesenswert und an vielen Stellen erschreckend…


EgUg – Das Prüfungswochenende

7. Dezember 2010

Die letzten Tage vor dem Wochenende war ich in pure Panik verfallen. Zu viel Arbeit und gleichzeitig zu viel für die EgUg-Prüfungen am Wochenende zu lernen. Daher habe ich dann auch aufgehört, gleichzeitig mit dem Lernen das Zeug in Blog-Artikel zu verpacken. Die fehlenden Themen schiebe ich natürlich irgendwann ;) mal nach…

Wie lief es nun also? Samstagmorgen um 9 Uhr ging es mit der theoretischen Prüfung los. 16 Fragen, 100 Punkte waren zu erreichen. Als ich die ersten Fragen gesehen habe, habe ich mich ein bisschen geärgert und mich gefragt, wozu ich den ganzen Scheiß eigentlich so ausführlich gelernt habe. Die meisten Aufgaben in der Prüfung bestanden einfach nur daraus, Dinge zu benennen, nicht zu erklären. Ganze 30 Punkte gab es für das Aufzählen von Vor- und Nachteilen für bestimmte Medien und Sozialmethoden. Insgesamt hatte ich aber nach dem Abgeben ein sehr gutes Gefühl und meine größte Angst beschränkte sich darauf, dass der Dozent mich für meine Schrift hasst. Das Ende vom Lied: 94%. Ich Streber ich :)

Sonntag stand die praktische Prüfung, die aus einem zu haltenden Unterrichtsbeispiel bestand, an. Dieses musste vorher geplant werden, das Thema durfte sich jeder selbst aussuchen, wobei alles außer Medizin-Themen erlaubt war. Eigentlich wollte ich das Thema Reißverschlussverfahren nehmen und mit einem Rollenspiel, bei dem alle Teilnehmer mit ihren Stühlen Autos simulieren und sich auf einer Autobahn vor einer Baustelle einordnen sollen, beginnen und daraus dann die Regelungen ableiten. Das scheiterte daran, dass wir in diesem Kurs Reise nach Jerusalem gespielt haben und von den 12 Teilnehmern am letzten Tag nur noch 6 da waren. Und mit den paar Leuten konnte ich das Rollenspiel natürlich schlecht realisieren. Daher habe ich mich am Samstagnachmittag hingesetzt, das Thema komplett über den Haufen geworfen und Computer-Schädlinge als neues Thema erarbeitet. Um nicht ständig zum Rechner laufen zu müssen, wenn die nächste PowerPoint-Folie dran ist, wollte ich den Rechner per Handy fernsteuern. Das hat daheim mit Gmote auch wunderbar geklappt, am Sonntag in der Prüfung natürlich nicht. War sehr ärgerlich und hat mich in den ersten Minuten auch unnötig verunsichert. Ansonsten lief die Prüfung dann super und wurde auch bestanden. :)


EgUg – Lernziele

2. Dezember 2010

Bevor ein Unterricht durchgeführt werden kann, müssen natürlich die Ziele, also was der Teilnehmer am Ende des Lehrgangs können soll, definiert werden. Lernziele erfüllen dabei folgende Aufgaben:

  • Motivation der Teilnehmer
  • Standortbestimmung im Unterricht
  • Schwerpunktbildung bei Aufbereitung
  • Hilfe bei Unterrichtsplanung
  • Begründung für Methoden / Medien
  • Transparenz des Unterrichts
  • Grundlage für Lernbilanz

 

Die Lernziele werden auf drei Hierarchie-Ebenen beschrieben. Diese sind:

  • Richtziel – Quasi die Überschrift über eine Veranstaltung
  • Grobziel – Eine Unterrichtseinheit
  • Feinziel – Teil der Unterrichtseinheit

 

Jedes Lernziel lässt sich über seine Formulierung in einen Lernzielbereich einordnen. Es werden folgende Lernzielbereiche unterschieden:

  • Kognitive Lernziele – sind Wissens-Lernziele („Der Teilnehmer kennt…“). Das Erreichen ist über Lernbilanzen leicht überprüfbar.
  • Affektive Lernziele – Emotionen, Gefühle („Der Teilnehmer fühlt / will…“). Diese Lernziele sind nur schwer überprüfbar.
  • Psychomotorische Lernziele – Anfassen („Der Teilnehmer beherrscht…“).
  • Aktionale Lernziele – Können („Der Teilnehmer kann…“).

Ein Beispiel für alle Lernziele wäre ein Teilnehmer, der einen Druckverband theoretisch kennt, ihn beim Unfallopfer anwenden will, die Technik dafür praktisch beherrscht und in einer stressigen Notfallsituation auch anwenden kann.

 

Die Lernziele sollten nichts Geheimes sein, sondern den Teilnehmern transparent gemacht werden.


EgUg – Lehrkraft und Konfliktlösung

2. Dezember 2010

Zum Thema Teilnehmer gibt es nicht so viel zu erzählen, deswegen lasse ich die einfach unter den Tisch fallen…


Anforderungen an die Lehrkraft

Eine Lehrkraft muss über bestimmte Kompetenzen verfügen, damit der Lernprozess erfolgreich ablaufen kann. Diese Kompetenzen sind:

  • Fachliche Kompetenz – die Lehrkraft muss über hohes und aktuelles Wissen verfügen, also auf dem Lehrgebiet Experte sein, um auch weiterführende Fragen der Teilnehmer beantworten zu können.
  • Soziale Kompetenz – die Lehrkraft muss im Umgang mit Anderen eine gute Atmosphäre schaffen und die Teilnehmer motivieren können.
  • Personale Kompetenz – die Lehrkraft muss selber motiviert sein, den Lehrstoff zu vermitteln. Wenn also eine Lehrkraft keine Lust darauf hat, eine Schulung zu geben, ist das eher nicht so gut. Zur personalen Kompetenz gehören auch Kritikfähigkeit und Authentizität.
  • Didaktische Kompetenz – beschreibt die Fähigkeit der Lehrkraft, richtig zu unterrichten, also z.B. die richtige Aufbereitung von Inhalten und die richtige Wahl von Methoden und Medien. Aber natürlich auch der eigentliche Unterricht an sich, also die Art des Vermittelns.
  • Organisatorische Kompetenz – die Lehrkraft muss sich um die richtigen Rahmenbedingungen kümmern, z.B. dass alle Medien und Materialien vorhanden sind und funktionieren.

Konfliktlösung

Wie in jeder Situation, wo mehrere Menschen aufeinander treffen, kann es natürlich auch im Unterricht zu Konfliktsituationen kommen. Diese gilt es als Lehrkraft zu erkennen und Lösungsstrategien für das Problem zu entwickeln. Wichtig ist hierbei, dass die Lehrkraft neutral bleibt. Es bietet sich an, eine Pause zu machen, um mit den Beteiligten zu reden und so den Konflikt zu beenden. Niemals sollte diese Klärung vor der ganzen Gruppe geschehen.


Erwachsenengerechte Unterrichtsgestaltung

30. November 2010

Eines meiner Ziele für das nächste Jahr ist die Qualifikation zum Erste-Hilfe-Ausbilder. Der Weg dorthin besteht aus 3 Schritten:

  1. Kurs “Erwachsenengerechte Unterrichtsgestaltung” (EgUg)
  2. 2 Hospitationen bei Erste-Hilfe-Kursen
  3. Kurs “Fachdidaktik Erste Hilfe”

Am letzten Wochenende hatte ich den ersten Teil des EgUg-Kurses, diesen Samstag und Sonntag stehen die Prüfungen an. Als erstes am Samstagmorgen die Theoretische, für die ich gerade lerne. Was man dort so erzählt bekommt, werde ich euch in den nächsten Tagen, beginnend mit diesem Artikel, zusammenfassen… Anregungen, Kritik, Verbesserungen und Lob natürlich gerne ;)

Der Lernprozess

Wie lernen wir? Prinzipiell lässt sich das Aufnehmen von Informationen in drei Stufen aufteilen. Als Erstes kommt die Sinneswahrnehmung, also das Aufnehmen von Informationen über die Sinne. Dafür gibt es sieben verschiedene Wahrnehmungsformen:

  • Auditives System (Hören)
  • Visuelles System (Sehen)
  • Taktiles System (Berührung / Tastsinn), auch haptisches System genannt
  • Vestibuläres System (Schwerkraft und Bewegung)
  • Propriozeptives System (Tiefen- und Stellungssinn)
  • Gustatorisches System (Schmecken)
  • Olfaktorisches System (Riechen)

Die Sinneswahrnehmungen sind normalerweise nicht abstellbar, das heißt, wir nehmen immer über alle Sinne wahr. Allerdings muss das Gehirn filtern und selektieren. Dies wird von der zweite Stufe übernommen, dem sogenannten Arbeitsspeicher (=Kurzzeitgedächtnis). Im Unterricht sollten niemals mehr als 2-3 Sinne gleichzeitig angesprochen werden. Zu beachten ist auch, dass manche Sinne Vorrang vor anderen haben, so zum Beispiel das Visuelle vor dem Auditiven.

Durch bewusste Zuwendung, Neugier, Interesse oder Anknüpfungsmöglichkeiten mit vorhandenem Wissen können die im Arbeitsspeicher liegenden Informationen nun in der dritten Stufe auf der Festplatte (=Langzeitgedächtnis) abgelegt werden.

Welche Konsequenzen sollten wir für das Lernen daraus ziehen?

  • Zuwendung – Auf ein Thema beschränken
  • Beteiligung – Möglichst viele Sinne (nicht gleichzeitig) benutzen
  • Intensität – Unterscheidung in wichtige und unwichtige Themen
  • Begrenzung – Sinnvolle Einteilung in Einzelthemen
  • Bezüge – Assoziationen zu vorhandenem Wissen herstellen

Wie wir natürlich alle gut wissen, vergessen wir auch gerne mal wieder Dinge (es gibt zwar die Theorie, dass wir nichts vergessen, was jemals im Langzeitgedächtnis war und nur nicht mehr drauf zugreifen können, aber das Ergebnis ist ja das Gleiche). Besonders wichtig beim Lernen ist es, dem Gehirn die Gelegenheit zu geben, Informationen aus dem Arbeitsspeicher auf die Festplatte zu schaufeln, da der Arbeitsspeicher nur eine begrenzte Menge an Informationen aufnehmen kann. Das lässt sich ganz einfach nachvollziehen: Nehmt euch ein Fachbuch eurer Wahl und lest ohne Pause die ersten 20-30 Seiten und dann versucht mal, den Inhalt der ersten paar Seiten wiederzugeben. Um Informationen zu festigen, sollte man den Lernprozess in zwei Phasen unterteilen, die sich immer wieder abwechseln. Diese Phasen werden als Einatmen und Ausatmen bezeichnet. Beispiele hierfür sind:

  • Einatmen: Lesen, Zuhören, Betrachten, Beobachten
  • Ausatmen: Zusammenfassen (Die Sherlocks unter euch wissen jetzt, warum ich das hier schreibe…), Erläutern, Erklären, Vortragen, Aufzeichnen, Skizzieren, Diskutieren, Simulieren, Erproben, Darstellen, Anwenden

Nun wissen wir also über den Lernprozess Bescheid. Doch welche Konsequenzen ziehen wir daraus für unseren Unterricht?

  • Wir haben kein Lehrer->Schüler-Verhältnis, sondern sind Lernpartner
  • Der Teilnehmer ist das wichtigste im Kurs, wir arbeiten demnach Teilnehmerkonzentriert
  • Transparent sein und Lernziele dem Teilnehmer erläutern
  • Auswahl der richtigen Inhalte
  • Teilnehmeraktivierend mit verschiedenen Unterrichtsmethoden arbeiten, um Ein- und Ausatmen-Phasen zu ermöglichen
  • Unterschiedliche Medien wählen

Wirksystem Unterricht

Unterricht ist eine Ansammlung von acht Bestandteilen, die alle voneinander abhängig sind und sich gegenseitig beeinflussen. Das ganze Gebilde nennt sich Wirksystem Unterricht (WSU). Die Bestandteile sind:

  • Teilnehmer
  • Lehrkraft
  • Methoden
  • Medien
  • Lernbilanzen
  • Lernziele
  • Lerninhalte
  • Organisatorischer Rahmen

Im nächsten Teil erzähle ich euch was zu Teilnehmer und Lehrkraft…


Patient mitnehmen? Belastet doch nur!

2. November 2010

Gestern fuhr ich mal wieder eine Krankenwagen-Schicht. Wir waren in einer Klinik in der Nähe der örtlichen Autobahn, 2 Anschlussstellen von der Heimat entfernt und sollten einen Patienten von der Heimat-Stadt nach München fahren. Also über die Autobahn zurück, Patient einladen und wieder auf die Autobahn in die andere Richtung.

Und wie ich dann so auf dem Weg zum Patienten abholen zur Autobahn komme, wundere ich mich noch, warum das Navi plötzlich neu berechnet, hab mir aber nichts weiter bei gedacht. Ich fahre  auf die Autobahn, ordne mich ein und komme auf eine Rechtskurve zu. Moooment… Rechtskurve? “SCHEISSÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄ!”. Ich hatte doch tatsächlich die falsche Auffahrt genommen und war schon mal Richtung München unterwegs. Neiiiiiiiin! Wie peinlich ist das denn? Ich war echt der festen Überzeugung, ich muss Richtung München auf die Autobahn. Musste ich ja auch, nur halt später mit Patient. Aaargh!

Wenigstens waren die Kollegen erheitert…


Und dann war da noch…

10. Oktober 2010

… der Typ, der auf meinen Krankenwagen zugerannt kam, als ich gerade am Klinikum los fuhr, die Tür aufreißen wollte und dann fragte, ob ich am Bahnhof vorbei komme. ICH NIX TAXI! Ohne Worte…


Deine Mutter bringt mich um

24. September 2010

Heute Mittag wurde ich von einem Kollegen nach meinem persönlichen Herbstfest-Highlight gefragt. Ein bisschen musste ich schon überlegen, aber dann kam mir wieder ein Einsatz am letzten Tag in Erinnerung: Zu uns kam ein Junge um die 18 mit seiner Freundin. Er hatte eine Schnittwunde am Zeigefinger, die ziemlich stark blutete und laut seiner Aussage von einem zersplitterten Maßkrug stammte. Während wir die paar Meter zum Behandlungsplatz gingen, murmelte er ein paar mal “Deine Mutter bringt mich um!” zu seiner Freundin. Im Licht sah ich dann auch, warum er so Angst hatte: Das Dirndl seiner Freundin war von oben bis unten voll mit Blutflecken. “Ich habe dein Dirndl versaut, deine Mutter bringt mich um!” sagte er immer wieder, während ich die Wunde versorgte, und auch die Beschwichtigungsversuche seiner Freundin, dass er ihre Mutter falsch einschätzt und sie ihm nichts tun wird, konnten ihn nicht wirklich beruhigen.

Ich hab’s dann mit “Es kommt drauf an, was du daheim erzählst. Sag deiner Schwiegermutter in spe, dass drei Kerle deine Freundin angemacht haben, du sie beschützen wolltest und sich daraus eine Schlägerei entwickelt hat, bei der du die Fingerverletzung zugezogen hast. Dann bist du der Held!” versucht, aber auch das quittierte er nur mit “Sie bringt mich um!”, was seiner Freundin zunehmend gegen den Strich ging. So blieb mir beim Verabschieden nur der Hinweis, dass er damit besser aufhört, weil ihn sonst seine Freundin umbringt, bevor ihre Mutter das Dirndl gesehen hat. Ihr Nicken bestätigte meine These…


Die Polizei – dein Freund und Nicht-Helfer

23. September 2010

Einen Abend der Herbstfest-Zeit habe ich genutzt, um mir das Geschehen auch mal wieder von der anderen Seite anzuschauen und ein paar Maß (kurzes a, liebe Nicht-Bayern, kurzes a!) Bier zu vernichten. Natürlich nur, damit sie nicht in die Hände von Leuten, die besser nicht so viel trinken sollten, geraten! Ich kann auch ohne Alkohol! Alles im Dienste der Allgemeinheit, versteht sich :D

Die Zeit im Zelt verlief unspektakulär, um 23 Uhr war dort Schluss und es ging weiter in die Innenstadt. Dort waren aber alle Clubs und Bars völlig überfüllt und wir entschieden, noch in Richtung einer anderen Bar zu laufen, um zu schauen, wie es dort ausschaut. Da war es aber genauso voll und wir stellten uns an eine Straßenecke, um zu überlegen, was wir mit der angebrochenen Nacht machen. Während wir da so standen und überlegten, kam ein – ziemlich offensichtlich – betrunkener Junge, so um die 18, in unsere Richtung getorkelt. Er wollte bei uns stehen bleiben, was er nur dank der zufällig in seiner Armreichweite stehenden Straßenlaterne schaffte. Als der Junge dann weiterlaufen wollte, lief er drei Schritte rückwärts und es passierte, was passieren musste: Er stolperte über seine eigenen Beine und fiel mit dem Hinterkopf auf den Boden, wo er liegen blieb. Wir sind natürlich sofort zu ihm hin: ansprechbar war er nur bedingt und bei der Dunkelheit in der Ecke nicht zu erkennen, ob er am Kopf eine Wunde hatte. Also den Rettungsdienst gerufen und versucht, in der Zwischenzeit mit dem Jungen zu reden, was aber nicht wirklich möglich war. Auf keine meiner Fragen (Name, Wohnort, Alter, Erlebnisse der letzten Stunden) konnte er antworten, hat nur vor sich hingestammelt und ab und zu Wortfetzen von mir wiederholt.

Nach einer Viertelstunde kam der RTW und auf die Frage der Besatzung, wie er heißt und wo er herkommt, wusste der Junge mit vollem Namen und Anschrift zu antworten. Er konnte wieder ganz normal reden. Da kommste dir dann natürlich auch super verarscht vor… Medizinisch schien er fit zu sein und während überlegt wurde, wie er heim kommt, kamen seine Kumpels um die Ecke, die ihn natürlich schon laaaaaaaaaaaaaaange gesucht hatten und versprachen, ihn jetzt gleich mit dem Taxi heim zu bringen. Während der RTW wieder fuhr, haben wir das Taxi gerufen und noch zusammen mit dem Jungen und seinem Kumpel gewartet. Letzterem fiel dann plötzlich ein, dass er noch Geld abheben muss. Das Taxi kam und der Junge wollte plötzlich nicht mehr nach Hause: Wir sollen ihn los lassen und uns verpissen, er braucht uns nicht! Super-Situation also: Das bestellte Taxi steht da, der Fahrgast will nicht einsteigen und der Kumpel mit dem Geld ist verschollen.

Von der anderen Straßenseite kam dann jemand anders und setzte sich in das Taxi. Das schien dem Fahrer gerade recht zu kommen – er fuhr davon, die hintere Tür noch offen. Ich finde, diese Aktion beschreibt die Rosenheimer Taxi-Szene eigentlich recht treffend… Dann standen wir also da mit dem Typen, der langsam aggressiv wurde. Das war der Moment, in dem wir ihn einfach stehen lassen hätten sollen. Haben wir aber nicht… Ich holte wieder das Handy raus und wählte diesmal die 110 und schilderte meinem ziemlich unmotivierten Gesprächspartner die Situation: Betrunkener gestürzter junger Mann, Rettungsdienst, Rettungsdienst weg, weil mit Kumpels heim, Taxi gekommen, Typ will nicht Taxi fahren… In dem Moment tauchte sein Kumpel wieder auf, bekam mit, dass ich gerade mit der Polizei telefonierte und stürzte mit einem “Scheiße man, der ruft die Bullen!” auf mich zu, um sich vor mir aufzubauen und “LEEEG AUUUUUUUUUUF!” zu brüllen. Danach rannte er auf seinen Kumpel zu, trat auf ihn ein und schrie ihn an. War wohl etwas angepisst wegen dem durch ihn verursachten Ärger. Das erzählte ich dem Polizisten dann auch, dass die Lage gerade eskaliert. Dann kam sein Kommentar: “Ja, na und? Was soll ich da jetzt machen? Wenn der Rettungsdienst da war und die Kumpels gesagt haben, sie bringen ihn heim, werden die sich schon um ihn kümmern”. Das war der Moment, in dem ich mich fragte, was ich hier eigentlich gerade mache und warum ich meine Zeit hier auf der Straße verschwende… Ich sagte ihm dann noch unfreundlich, was ich davon hielt und legte auf. Ab dem Moment war mir dann auch alles scheiß egal und wir sind heimgegangen…

Bis Heute nerven mich an der Geschichte zwei Dinge: Erstens, dass ich nicht einfach gegangen bin, als der Typ nicht ins Taxi einsteigen wollte. Dann hätte er halt auf der Straße gepennt und wäre am nächsten Morgen ohne Geldbeutel aufgewacht. Na und? Hätte er ja so gewollt… Und zweitens die Reaktion der Polizei. Ich bin mir ziemlich sicher, wenn ich die ganze Geschichte weggelassen und nur erzählt hätte, dass hier gerade zwei Jugendliche auf der Straße randalieren, wäre sofort ein Auto geschickt worden.


Spaß mit LstSim

21. September 2010

Spaß bei der Lagemeldung…


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