Gedanken zu Ostern

22. April 2011

Ich habe heute früh ein paar Gedanken zu Ostern und kirchlichen Feiertagen auf Twitter rausgehauen. Für’s Protokoll nun auch im Blog:


Wo mir der Kragen platzt: Fachkräftemangel

24. März 2011

Gerade läuft im SWR die Runde mit den Spitzenkandidaten der kommenden Landtagswahl. Eines der Themen ist, wie so oft, der Fachkräftemangel. Ein Thema, bei dem mir regelmäßig der Kragen platzt. Ist euch mal aufgefallen, dass wir in den letzten Jahren entweder Wirtschaftskrise oder Fachkräftemangel haben? Ist die Krise vorbei, wird wieder nach Fachkräften geschrien. Aber gibt es wirklich keine Fachkräfte in Deutschland? Oder ist es nicht eher so, dass die Industrie unter Fachkräften 20-jährige Uni-Absolventen mit 10 Jahren Berufserfahrung auf 400-Euro-Basis versteht? Die gibt es natürlich tatsächlich nicht. Wenn die Industrie bereit wäre, die Fachkräfte auch angemessen als Fachkräfte zu bezahlen, hätte sie überhaupt keine Probleme!

 

Das musste mal raus!


Die letzten Worte zur Guttenberg-Sache

1. März 2011

Toll, jetzt ist Karl-Theodor zu Guttenberg zurückgetreten und ich darf meinen fast fertigen Artikel zu dem Thema in die Tonne treten. Macht aber nichts, gibt unschönere Anlässe. Ich will das nutzen, um noch ein paar Worte zu dem Thema zu verlieren:

  1. Der schlechteste Politiker war er nicht. Dass er es geschafft hat, die CDU/CSU davon zu überzeugen, für die Abschaffung der Wehrpflicht einzutreten, muss man ihm neidlos als sehr gute Arbeit anerkennen. Es gibt aber natürlich auch Themen, bei denen man über zu Guttenbergs Figur streiten kann, als Stichworte hier nur Gorch Fock und Angriff auf Zivilisten in Kundus.
  2. Der Grund, warum ich (wobei ich natürlich nur für mich sprechen kann) am Samstag auf der Guttbye-Demo den Rücktritt gefordert habe, waren nicht seine Plagiate in der Doktorarbeit. Da hätte man noch drüber stehen können, hätte er alles beim Aufkommen der ersten Vorwürfe zugegeben. Aber er hat sich zum Lügner gemacht, indem er zunächst alle Vorwürfe als abstrus bezeichnet, dann kleine handwerkliche Fehler und am Ende doch gravierende Fehler eingestanden hat.
  3. Sicher gab es einige, die aufgrund der steilen Karriere und der Beliebtheit von zu Guttenberg nur auf die Möglichkeit gewartet haben, ihn abzusägen. Da hat er, meiner Meinung nach, aber auch selbst zu beigetragen. Ein Tick weniger Inszenierung (vor allem diese Foto-Posings in New York und Afghanistan) hätte ihm nicht geschadet.
  4. Auch seine enge Partnerschaft mit der Bild-Zeitung spricht nicht für ihn. Alleine die Ankündigung, dass die nächste Werbekampagne der Bundeswehr exklusiv bei Bild und bild.de geschaltet wird, wäre der nächste Grund für Rücktrittsforderungen gewesen.

Ich habe fertig…


Guttbye-Demo

27. Februar 2011

Da ich gerade in Berlin bin, habe ich die Chance genutzt und war gestern auf der Guttbye-Demo. Ein bisschen mehr Text zu der ganzen Guttenberg-Geschichte kommt in den nächsten Tagen, hier und jetzt erstmal nur ein kurzes Video von der Demo:

(Veröffentlicht von mir unter cc-by-nc-sa)

Eine Übersicht über weitere Texte, Bilder und Videos gibt es hier.


Von Offshore und Nearshore

18. Januar 2011

Als ich vor ein paar Jahren als externer Entwickler in ein größeres Projekt kam, war das Projektteam auf zwei Standorte aufgeteilt. Der eine Standort war in Deutschland und der Andere in Indien. Das war damals üblich, Teile der Software-Entwicklung nach Indien auszulagern, also Offshore zu betreiben. Damit erhoffte man, Geld einzusparen, bzw. man erhoffte es nicht, sondern war sich ganz sicher, dass dem so ist. Ist ja klar: Ein indischer Entwickler kostet pro Stunde deutlich weniger als ein deutscher Entwickler, also muss sich das rechnen. Tut es natürlich nur, wenn man die Sache mit einem Horizont von 12 bis Mittag betrachtet. Da ist zunächst als erster Punkt die Umstellung der Projekt-Sprache. Multinationale Projekte müssen auf englische Sprache umgestellt werden, dies bedeutet im ersten Schritt die Übersetzung aller bisherigen Dokumente, zum Beispiel Test-Reports. Dann müssen alle Konzepte für Themen, die in Indien bearbeitet werden sollen, übersetzt oder direkt auf Englisch geschrieben werden. Damit gehen die Aufwände nach oben, denn niemand ist in einer fremden Sprache genauso effektiv wie in seiner Muttersprache. Je nach Englisch-Kenntnissen des jeweiligen Mitarbeiters kann dieser Mehraufwand mehr oder weniger ins Gewicht fallen. Weiter leidet die Kommunikation in einem Projekt, denn wenn ich jemanden habe, der sich auf Englisch nicht sehr sicher ausdrücken kann, wird er mit den anderen Projektmitarbeitern nur so viel kommunizieren, wie unbedingt notwendig ist. Dadurch gehen viele kleine Informationen zwischendurch, die einem irgendwann mal helfen könnten, verloren. Bei einem Outsourcing nach Indien kommt zusätzlich noch die Zeitverschiebung hinzu, wodurch sich der Zeitrahmen, in dem beide Standorte gleichzeitig arbeiten und miteinander kommunizieren können, verkleinert.

All diese Punkte haben dazu geführt, dass man nach einem guten halben Jahr einsehen musste, dass Outsourcing nach Indien ein Reinfall ist und die Geschichte beendet hat.

Jetzt könnte man natürlich meinen, dass die Management-Ebenen aus dieser Geschichte gelernt haben und das Thema für immer erledigt war. Pustekuchen! Es hat genau ein Jahr gedauert, dann kam man wieder auf den Trichter, dass deutsche Entwickler viel zu teuer sind und man sparen muss. Also suchte man wieder Outsourcing-Möglichkeiten und wurde in Osteuropa fündig. Rumänen sollten die goldene Zukunft für das Projekt sein. Weil der Begriff Offshore durch die schlechten Erfahrungen verbrannt war, zeigte man Kreativität und erfand einen neuen Namen: Nearshore. Gleicher Inhalt, andere Verpackung, nur dass zwei Nachteile von Indien wegfallen, denn beim Standort Rumänien gibt es das Problem der Zeitverschiebung nicht und der Weg nach Deutschland ist natürlich kürzer als der von Indien aus.

In dem Projekt sollten die Rumänen nur für Aufgaben eingesetzt werden, die zu klein waren, um sie gewinnbringend durch deutsche Entwickler erledigen zu lassen. Keinesfalls sollte irgendjemand durch einen rumänischen Entwickler ersetzt werden, das wurde immer wieder betont. Es kam natürlich anders und nach und nach wurden fast alle Entwicklungsaufgaben nach Rumänien ausgelagert. Auch für mich gab es dann irgendwann in diesem Projekt keine Arbeit mehr. Im Gegensatz zu manchen Kollegen schiebe ich aber keinen Hass auf die rumänischen Entwickler. Die verdienen an der ganzen Geschichte am allerwenigsten und machen im Grunde auch nur ihren Job zu dem in ihrem Land üblichen Lohn. Den Hass schiebe ich auf das deutsche Management, das trotz aller schlechten Erfahrungen wieder mit Outsourcing angefangen hat, alle negativen Seiten ignoriert und nur auf den direkten Vergleich der Stundensätze schaut.

In meinem aktuellen Projekt (beim gleichen Auftraggeber) haben sich diese Nachteile auch wieder recht schnell gezeigt: In den ersten sechs Wochen des Projekts waren die rumänischen Mitarbeiter vor Ort in Deutschland, da hat die Zusammenarbeit recht gut geklappt, wenn man die sprachlichen Barrieren mal ausklammert. Aber kaum war die weite räumliche Trennung wieder hergestellt, brach die Kommunikation fast vollständig zusammen. Und wenn wir das nicht in den Griff kriegen, wackelt der Releasetermin mehr als bedenklich…


Wir werden alle steeeeeeeerben!

18. November 2010

OH MEIN GOTT! WIR WERDEN ALLE STEEEEEEEERBEN! Unser Innenminister warnt vor drohenden Terroranschlägen in Deutschland. Die Bedrohung ist natürlich konkret und deswegen läuft die Bundespolizei an Bahnhöfen und Flughäfen nun wieder mit schusssicheren Westen und Maschinenpistolen rum.

Darüber kann ich nur noch müde lächeln. Ich glaube dem Herrn de Maizière kein Wort. Ist euch mal aufgefallen, dass die meisten (wenn nicht gar alle, aber ich habe gerade keine Lust, das zu überprüfen…) Terrorwarnungen des Innenministeriums in den letzten Jahren pünktlich zu irgendwelchen Entscheidungen oder Urteilen zu Gesetzen, die angeblich der Sicherheit vor dem internationalen Terrorismus dienen, sich aber ganz gut zum Ausspionieren aller Menschen eignen, kamen? In den letzten Tagen wurde wieder vermehrt über die Vorratsdatenspeicherung und die Internet-Zensur geredet und auch die Nacktscanner am Hamburger Flughafen und der elektronische Personalausweis sorgen nicht gerade für positive Schlagzeilen. Da kommt so eine Terrorwarnung doch wie gelegen, oder? Wenn man die Leute in Angst und Schrecken versetzt, sind sie bestimmt eher für all diese Gesetze und Dinge.

Und – Überraschuuuuuung! – es hat nicht mal einen Tag gedauert, da stehen die “WIR BRAUCHEN DIE VORRATSDATENSPEICHERUNG GANZ GANZ DRINGEND”-Politiker auf der Matte.

- Achtung, jetzt wird’s verschwörerisch. Natürlich alles nur Vermutungen und meine persönliche Meinung -

Dem Staat traue ich schon lange nicht mehr. Ich halte es sogar für ziemlich wahrscheinlich, dass diese Terrorwarnungen nur ausgedacht sind, um bestimmte Interessen (VDS, Nacktscanner, …) besser durchsetzen zu können. Und damit die Leute auch nicht abstumpfen, wird man dann kurz vor Weihnachten halt irgendwelche angeblichen Terroristen präsentieren, die angeblich einen Terroranschlag geplant haben. Und selbst wenn es wirklich einen Anschlag geben sollte, würde ich nicht ausschließen wollen, dass da die gleichen Kreise dahinter stecken, die auch Interesse an den ständigen Terrorwarnungen haben. Klingt gewagt? Klar, aber einem Staat, der seine Polizisten auf Kinder einprügeln lässt und eigene Leute unter Demonstranten mischt, die dann Steine auf die Kollegen werfen, traue ich auch das zu…


Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.

Join 809 other followers