Gastbeitrag: Erna – Retterin vom Erdbeerfeld (Teil 3)

6. Juni 2011

Ich rannte so schnell ich konnte wieder ins Haus. Von wem kam der Schrei? Hatte Mark etwa die Schlange gefunden? Meine Herzfrequenz erhöhte sich schlagartig und meine Atemzüge wurden tiefer. Ich hatte Angst, dass die Schlange auch Mark gebissen haben könnte. Als ich am Schauplatz ankam, sah ich Mark, wie er sich den Unterarm hielt und vor Schmerzen fluchte. Und ich sah die Frau des Patienten die bitterlich weinte.

“So ein Scheiß!!!”

“Mark! Oh Gott! … Die Schlange… hahaaat sie dich gebissen? Hab keine Angst ich werde sofort Hilfe nachfordern. Du wirst nicht sterben! Dafür sorge ich!”

“Pummelchen…was ist los?! Aaaaah kacke tut das weh!”

“Naaa… dein… Schlangenbiss!”

“Das nicht die Schlange! Das war der da!”

“Wer?”

“Der Patient, du lange Leitung!”

“Äaah… wie der Patient?”

“Ich hatte mal was mit seiner Frau…”

“Maaaark!?!?!?”

Das darf doch nicht wahr sein… So ein Vollidiot! Ich stelle mir vor, wie wir diesen Arbeitsunfall der Versicherung erklären: “Rettungsassistent verletzt am Unterarm durch Biss des Patienten, da der RettAss ein Verhältnis mit der Frau des Pat. hatte.” Unser Patient wurde ins nächste Klinikum geflogen und seine Frau fuhr mit dem Auto hinterher. Mark dagegen demolierte vor Wut die KTW-Einrichtung. Selbst Schuld wenn er nur mit seinen Schwanz denken kann. Ich verband seinen Arm und fuhr ihn in die Ambulanz zur Wundversorgung. Während Mark behandelt wurde, saß ich im Auto und grübelte vor mich hin: Warum ist dieser Mann so? Er ist sicherlich von seiner großen Liebe enttäuscht worden und jetzt hat er Angst wieder verletzt zu werden. Also kapselt er sich ab und lässt keine tieferen Beziehungen zu… Ich hätte Psychologin werden sollen, aber der Job ist auf Dauer auch zu langweilig: Die meisten Menschen sind doch gleich gestrickt. Im Grunde gibt es nur zwei Arten von Beziehungen: Die, wo beide nur geil aufeinander sind und die, in der die Partner eine Abhängigkeit entwickeln, die man “Liebe” nennt. Aber warum glauben wir dann an die große Liebe? Warum glauben wir an Gott? Ich sollte nicht so viel denken…


Gastbeitrag: Erna – Retterin vom Erdbeerfeld (Teil 2)

20. Mai 2011

Nach dem ersten Teil geht’s nun weiter mit den Gastbeiträgen von Erna:

Mark wollte seine Freundin Chantal besuchen, nachdem wir den Patienten in der Uniklinik abgeliefert haben. Meine Gehirnzellen kochten: Hat der Kerl eigentlich eine Tussi in jedem Postleitzahlbereich? Ich kann gar nicht verstehen, wie man als halbwegs intelligente Frau auf dieses arrogante Arschloch abfahren kann. Wahrscheinlich trifft er sich eh nur mit dummen Blondchen. Eine Frau mit meiner Attraktivität und Intelligenz wäre viel zu anspruchsvoll und würde ihn alt aussehen lassen! Ich hätte noch ewig in Gedanken schweifen können…

„HALLOOOO! Pummelchen!!! Was ist jetzt? Fährst du den Umweg?“

„Ähh ja klar, warum denn nicht. Mir doch egal mit wem du dich triffst!“

„Sehr gut, dann ruf ich sie gleich mal an.“

„Wer ist die Frau eigentlich?“

„Eine gute Bekannte.“

„Aber dann bitte einen Quickie, will nicht ewig warten müssen!“

„Ach Herzchen, du bist doch nur neidisch und willst mit!“

„Als ob ich’s nötig hätte! Und sicherlich nicht mit dir!“

„So wie du rumnörgelst, hattest du bestimmt schon ein halbes Jahr keinen Sex mehr.“

„Das… das stimmt doch gar nicht! Ich hatte… Sex… also… Wir fahren jetzt!“

Mark konnte sich das Lachen nicht verkneifen. Wir sammelten unseren Patienten ein und fuhren in Richtung Autobahn. Die Fahrt war eher langweilig und der Patient sehr nervig. Aber ich war ja Fahrerin und musste mich nicht mit unserem Kunden unterhalten. Am Ziel traf sich Mark wie geplant mit seiner guten Bekannten, die zu meinem Erstaunen brutal hässlich war. Dass er mal so verzweifelt sein könnte, hätte ich ihm nicht zugetraut. Für einen kleinen Moment dachte ich, dass er vielleicht doch nicht so ein Arschloch ist, wie ich immer dachte. Aber nur für einen kurzen Moment…

Wir fuhren wieder in unseren Leitstellenbereich und bekamen gleich den nächsten Einsatz: Notfall nach Schlangenbiss. Ich bekam ein bisschen Panik: Hoffentlich war die Schlange nicht mehr da. Oder vielleicht meinte der Anrufer seine Frau? Konnte man ja nie wissen…

Also mit Blaulicht und Tröte ab ins Dorf. Dort angekommen, wurde Mark sehr unruhig. Er wollte erst gar nicht aussteigen und seine Blicke schweiften von rechts nach links, von unten nach oben. Ich musste innerlich grinsen. Der ach so starke und taffe Mark hatte doch nicht etwa Angst vor Schlangen? „Das wird sicher amüsant“, dachte ich. Von der Schlange fehlte zunächst noch jede Spur, genauso wie vom Patienten. Nach ein bisschen Suche fanden wir die Frau und ihren toxischen Ehemann dann im Garten hinter dem Haus. RTW und Notarzt trafen kurz darauf auch ein und nachdem wir die Info hatten, um welche Schlange es sich handelte, spurtete ich zum Funk um zu klären, wohin der Patient transportiert werden sollte:

„Leitstelle für KTW 08/15“

„Hier die Leitstelle, kommen“

„Patient toxisch nach Schlangenbiss einer Mamba, Notarzt und RTW anwesend“

„Ja der Transport geht nach München“

„Mit Heli?“

„Wie ist denn der Blutdruck?“

Ich war einen kurzen Moment sprachlos. Was will die wissen? Den Blutdruck? Geht’s noch? Die soll ihren Job machen und nicht Müll labern. Einmal mit Profis…

„92/56; Puls 112,73“

„Hä? Also Schockzustand?“

„… Wann kommt der Heli?“

„Ist der Patienten denn stabil genug für den Hubschrauber?“

„Der Doktor sagt ja.“

„Ist das sicher?“

„Wollt ihr den Namen der Schlange auch wissen?“

„Bitte..?“

„Ja, der Heli kann auf dem Feld vor dem Haus landen. Ich melde mich telefonisch“

„Verstanden.“

Nicht zu fassen. Werden die nach Anwesenheit bezahlt oder fürs Denken? Besser nicht weiter drüber grübeln… Ich sollte mich mal wieder meinem Patienten zuwenden. Auf dem Weg ins Haus hörte ich plötzlich einen lauten Schrei…


Gastbeitrag: Erna – Retterin vom Erdbeerfeld (Teil 1)

1. Mai 2011

Der erste Gastbeitrag auf meinem Blog kommt von Erna. Wer sie ist und was sie macht, erzählt sie euch selber…

Heute ist Montag. Ich hasse Montage! Das Wochenende ist vorbei, ich muss früh aufstehen und, noch viel schlimmer: ich muss heute mit Mark, diesem Schönling, fahren. Mark geht mir grundsätzlich auf die Nerven mit seinem obercoolen Auftreten: Seht mich an, ich bin Mark und kann alles. Boooaaah!! Wo ist meine Fenta..!?

Aber lieber zu meiner Person: Ich heiße Erna. Mein Alter ist nicht so wichtig, ändert sich eh jedes Jahr wieder. Ich arbeite im Rettungsdienst als eine der wenigen Frauen an unserer Wache. Meinen Spitznamen „Miss Erdbeerfeld“ bekam ich, als ich mir bei einem Einsatz einen Nagel an der Patiententrage abgebrochen habe und dabei einen fürchterlichen Schreikrampf bekam. Manche Leute behaupten auch, dass ich den Namen bekommen habe, weil ich Mullbinden als Tamponersatz verwende, aber das ist natürlich nicht wahr! Ich bin auch etwas schusselig was einige Dinge betrifft, versuche das aber durch meine besserwisserische Art zu kaschieren, was meinen Beliebtheitsgrad nicht unbedingt steigert…

Zurück zum Montag: Ich habe mich gerade umgezogen und schreite mit elegantem Hüftschwung den Flur entlang, als Mark um die Ecke biegt. Natürlich zehn Minuten vor Dienstbeginn und noch nicht mal umgezogen. Was denkt der sich eigentlich!?

„Guten Morgen Erna, mal wieder keine größere Hose im Lager gewesen, oder?“

„Äaah, also. Was soll denn das jetzt heißen?“

„Passt schon, betont deinen dicken Hintern super!“

„Mark! Zieh dich endlich um, anstatt meinen Hintern zu begutachten… wir müssen das Auto noch checken. Heut ist Monatswechsel und das bedeutet mehr Arbeit weil wir, …“

„Jaaa ist gut. Stress doch nicht gleich am Montagmorgen“

Er verschwand in der Umkleidekabine und nuschelte noch irgendwas wie „Zicke“. Selber Zicke! „Dein dicker Hintern“…pfff der kann mich mal! Ich finde meinen Hintern toll!

Ich packte meine Sachen in unser Auto für Heute und wartete bis Mark endlich so weit war, dass wir uns anmelden konnten zum Dienst. Mark und ich kannten uns schon seit der Ausbildung. Damals war ich total verliebt in ihn, aber er nannte mich immer nur „Zahnspangenfresse“. War wohl seine Art mir zu sagen, dass er mich eigentlich auch mag. Er war damals so schlau und witzig, einfach süß. Mir hat es auch nie was ausgemacht, dass er mich im Sommer in der Waschhalle beim Autowaschen immer nass gemacht oder alle S-Handschuhe versteckt hat. Hach ja…

Aber jetzt kann ich ihn nicht mehr leiden. Eigentlich weiß er doch nicht so viel, im Grunde beschränkt sich sein Wissen auf die Telefonnummern unserer blonden Patientinnen. Wo bleibt er eigentlich? Wir sind schon drei Minuten über Schichtbeginn.

Da rumpelte es plötzlich auf dem Beifahrersitz:

„Sooo Herzchen! Wo fahren wir hin?“

„Wir sind noch nicht mal angemeldet weil DU schon wieder zu spät bist!“

„Hab vergessen dass du nicht fähig bist Sachen ohne meine Hilfe zu erledigen“

„Kann ich sehr wohl! Ich wollt nur…“

„Ja ja, komm laber ned so viel….sonst krieg ich wieder Kopfweh“

Mark meldete sich bei der Leitstelle an und wir durften als erstes gleich in eine weit entfernte Stadt fahren mit einem Patienten aus der Rehaklinik hier in der Nähe. Ich gab die Adresse ins Navi und fuhr Richtung Tor, als Mark mir einen Vorschlag unterbreitete…


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