Herbert blieb mit mir und dem Polizisten im Patientenraum, während Norbert sich hinters Steuer hockte und losfuhr. Da wir mit Blaulicht fuhren, blieben mir vielleicht fünf Minuten bis zur Ankunft beim Krankenhaus. Fünf Minuten, in denen alles über die Bühne gehen musste. Norbert war der geplante Auslöser für die Aktion, also saß ich aufrecht auf der Trage und wartete darauf, dass er anfing, Schlangenlinien zu fahren. Doch nach einer knappen Minute Fahrt gab es plötzlich einen heftigen Schlag von rechts und einen lauten Knall… Ich wurde ordentlich durchgeschüttelt, aber von den Gurten der Trage auf dieser gehalten. Der Polizist hatte da weniger Glück: Er saß unangeschnallt auf einem der Begleiterstühle neben der Trage und wurde durch den Patientenraum geschleudert, bevor er verletzt und benommen in der Ecke liegenblieb. Herbert war zwar angeschnallt, aber beim Aufprall mit dem Kopf gegen die Seitenwand geprallt und daher auch etwas benommen. “Das ist deine Chance! Loos!”, schoss es mir durch den Kopf. Ich schnallte mich ab und lief zur Seitentür, als der Polizist versuchte, mich aufzuhalten. Aber mit einem kleinen Tritt in den Magen war das Problem aus dem Weg geschafft. ER hatte sich das mit seiner unfreundlichen Behandlung während meiner Vernehmungen auch nicht anders verdient. Ich wollte die Seitentür aufmachen, aber die klemmte und auch rütteln half nichts. “Scheiße!”, ging mir durch den Kopf, “Die Hintertür!” Ich rannte zur Hintertür, welche zum Glück mit ein bisschen Gewalt aufging und stürmte in die Freiheit. Jetzt bloß weg hier! Aber zunächst wollte ich wissen, was passiert war. Der Bereich neben dem Rettungswagen sah aus wie ein Schlachtfeld. Ein weißer Audi war uns in die rechte Seite gefahren. Die Fahrerin saß noch in ihrem Auto und sah nicht wirklich gut aus. Zudem vermutete ich, dass sie einklemmt war. Aber erste Hilfe konnte ich jetzt nun wirklich nicht leisten und eine zusätzliche Anzeige wegen unterlassener Hilfeleistung war wohl eher das Geringste, um das ich mir Sorgen machen musste. Nachdem ich mich kurz orientiert und die Stelle, an der wir gestrandet waren, erkannt hatte, rannte ich los. Erstmal musste ich Vorsprung gewinnen. Es würde sicher nicht lange dauern, bis die Polizei am Unfallort ankommen und erkennen würde, um was für Transport es sich gehandelt hatte. Ich rannte die Seitenstraße entlang ohne wirklich ein Ziel zu haben. Weg! Einfach nur weg hier! Während ich rannte, überlegte ich, wie es weitergehen sollte. Mein eigentlicher Plan war vollkommen über den Haufen geworfen: Eigentlich sollte Norbert Schlangenlinien fahren, damit ich die Gelegenheit habe, den Polizisten zu überwältigen. Anschließend hätte ich Herbert und Norbert gefesselt und wäre an der vorher abgesprochenen Stelle geflüchtet. Das hatte sich aber nun erledigt, was für die beiden Kollegen nicht schlecht war, so dürften sie nicht auf ganz so viele dumme Fragen antworten müssen. Für mich hatte es aber den Nachteil, dass wir einige Kilometer vom eigentlich geplanten Ort entfernt waren, in dessen Nähe ein Helfer auch ein paar nützliche Dinge für mich versteckt hatte.
Nach 15 Minuten rennen war ich am Ende meiner Kräfte und in einer verzweigten Garten-Siedlung angekommen. Das erschien mir ideal: Viele einsame Grundstücke mit warmen Häuschen und drumherum nichts als Wald. Ein bis zwei Nächte könnte ich mich hier bestimmt sicher verstecken. Als ich durch die Siedlung schlenderte, sah ich eine Anwohnerin, die gerade ihr Auto aus der Garage fuhr. Als sie es mit laufendem Motor in der Einfahrt stehen ließ und ausstieg, um die Garage zu schließen, erkannte ich die einmalige Chance. Zwanzig Sekunden später saß ich am Steuer des Autos und drückte das Gaspedal durch. Im Rückspiegel sah ich die erschrockene Besitzerin wild mit den Armen fuchteln. Was dachte sie denn? Dass mich plötzlich das Gewissen überkommen und ich das Auto wieder abstellen würde? Es fiel mir nicht wirklich leicht, aber ich musste mich möglichst unauffällig mit dem Auto bewegen. Das Letzte, was ich in der Situation gebrauchen konnte, war eine Fotoshooting oder eine Verfolgungsjagd mit der Polizei. Mit dem Auto unterm Hintern konnte ich wieder in meinen eigentlichen Fluchtplan zurückfinden. Ich fuhr zum Versteck der nützlichen Dinge und packte diese ein. Anschließend führte mich mein Weg zu meiner ehemaligen Wohnung. Ich parkte das Auto in der Tiefgarage und ging ins Haus. Im dritten Stock klingelte ich. Meine Ex-Freundin öffnete die Tür und der Schreck fuhr ihr durch den ganzen Körper. “Was willst du denn hier?”, stammelte sie mit zittriger Stimme…

Ob das wohl gut ausgeht?
Wirklich Super! Gefaellt mir! Wo ist denn der Facebook-Like-Button?
Gibt es nicht, aber du kannst natürlich den Link auch so in deinem Facebook-Stream posten
Es bleibt auf jeden Fall spannend. Freue mich schon auf die Fortsetzung