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11. August 2011

Der Prozess (1)

9. August 2011

Knappe 3,5 Monate war es nun her, seit meine Flucht scheiterte. Nach der Festnahme wurde ich ins örtliche Polizeipräsidium zur Vernehmung durch die Drogenkommission gefahren. Ein übermotivierter Lemming in Uniform schubste mich ein bisschen unsanft durch die Gegend. Zwei Ecken ließ ich mir das gefallen, dann drehte ich mich um und knurrte: “Dich krieg ich noch, du Penner! Du weißt nicht wie, nicht wann und nicht wo, aber ich krieg dich!” Es schien ihn aber nicht sonderlich zu beeindrucken, er lachte nur kurz und schubste mich um die nächste Ecke. Nun gut, konnte er haben. Ich merkte mir sein Gesicht und seinen Namen für später. Irgendwann würde ich mich um ihn kümmern…

Ich erfuhr im ersten Gespräch, dass der Auslöser für die ganze Geschichte tatsächlich der dicke Polizist von der nächtlichen Rettungsdienst-Aktion war. Ihm war mein Gesicht nicht mehr aus dem Kopf gegangen und fand es im Nachhinein extrem verdächtig, dass ich keinen Ausweis dabei hatte. Da es aber auch nur eine wage Vermutung war, ging er damit zu seinem Chef, der direkt seine große Möglichkeit für den nächsten Karrieresprung sah und am nächsten Tag bei meinem Arbeitgeber nach meinem Namen und meiner Adresse fragte. Dass ich den Zivilpolizisten zunächst entkommen konnte, war neben der glücklichen Tatsache, dass sie auf dem Parkplatz von Horst parkten, auch einer netten Panne der Polizei zu verdanken. Denn eigentlich sollte zeitgleich mit dem vorfahrenden Wagen ein weiterer Wagen die Einfahrt versperren. Dieser war aber nicht rechtzeitig da, weil er unterwegs wegen überhöhter Geschwindigkeit von anderen Polizisten angehalten wurde. Auf das Blaulicht hatten sie verzichtet, um nicht aufzufallen. Die paar Minuten, die es gedauert hatte, die Situation zu klären, waren die, die mir eine Flucht ermöglichten. Als mir diese Geschichte erzählt wurde, konnte ich einfach nicht anders, als laut zu lachen. Was für amateurhafte Pappnasen!

Die Vernehmungen an sich waren eher unspektakulär, da ich die Aussage zu den Anschuldigungen verweigerte. Ich hatte aber durchaus Spaß daran, die vernehmenden Beamten zum Ausrasten zu provozieren. Dazu war gar nicht viel notwendig, bei den meisten reichte es, still vor ihnen zu sitzen und zu grinsen. Irgendwann fingen sie an zu schreien und wenn ich dann immer noch grinste, standen einige kurz davor, sich auf mich zu stürzen. Darauf wartete ich nur, dann hätte ich eine gute Möglichkeit gehabt, aus der ganzen Sache noch ein bisschen Kapital zu schlagen, indem ich auf Opfer machte.

Die Wochen vergingen, Staatsanwaltschaft und Polizei ermittelten weiter fieberhaft. Irgendwann waren sie der Meinung, genug Material gegen mich gesammelt zu haben und der Prozess wurde angesetzt. Am letzten Abend vor der Verhandlung bekam ich Besuch im Gefängnis:

“Und? Wie ist das Wetter da draußen so?”

“Die letzten Wochen war es recht stürmisch, aber derzeit scheint die Sonne.”

“Schön, schön. Dann steht deinem Sommerurlaub ja nichts mehr im Weg?”

“Nein, geht in ein paar Wochen los. Ferienwohnung auf Usedom.”

Wir verabschiedeten uns und ich musste aufpassen, das Pokerface zu wahren. Mit dem kurzen Gespräch hatte ich alle Informationen bekommen, die ich brauchte. Der Prozess konnte kommen…


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