Nach dem ersten Teil geht’s nun weiter mit den Gastbeiträgen von Erna:
Mark wollte seine Freundin Chantal besuchen, nachdem wir den Patienten in der Uniklinik abgeliefert haben. Meine Gehirnzellen kochten: Hat der Kerl eigentlich eine Tussi in jedem Postleitzahlbereich? Ich kann gar nicht verstehen, wie man als halbwegs intelligente Frau auf dieses arrogante Arschloch abfahren kann. Wahrscheinlich trifft er sich eh nur mit dummen Blondchen. Eine Frau mit meiner Attraktivität und Intelligenz wäre viel zu anspruchsvoll und würde ihn alt aussehen lassen! Ich hätte noch ewig in Gedanken schweifen können…
„HALLOOOO! Pummelchen!!! Was ist jetzt? Fährst du den Umweg?“
„Ähh ja klar, warum denn nicht. Mir doch egal mit wem du dich triffst!“
„Sehr gut, dann ruf ich sie gleich mal an.“
„Wer ist die Frau eigentlich?“
„Eine gute Bekannte.“
„Aber dann bitte einen Quickie, will nicht ewig warten müssen!“
„Ach Herzchen, du bist doch nur neidisch und willst mit!“
„Als ob ich’s nötig hätte! Und sicherlich nicht mit dir!“
„So wie du rumnörgelst, hattest du bestimmt schon ein halbes Jahr keinen Sex mehr.“
„Das… das stimmt doch gar nicht! Ich hatte… Sex… also… Wir fahren jetzt!“
Mark konnte sich das Lachen nicht verkneifen. Wir sammelten unseren Patienten ein und fuhren in Richtung Autobahn. Die Fahrt war eher langweilig und der Patient sehr nervig. Aber ich war ja Fahrerin und musste mich nicht mit unserem Kunden unterhalten. Am Ziel traf sich Mark wie geplant mit seiner guten Bekannten, die zu meinem Erstaunen brutal hässlich war. Dass er mal so verzweifelt sein könnte, hätte ich ihm nicht zugetraut. Für einen kleinen Moment dachte ich, dass er vielleicht doch nicht so ein Arschloch ist, wie ich immer dachte. Aber nur für einen kurzen Moment…
Wir fuhren wieder in unseren Leitstellenbereich und bekamen gleich den nächsten Einsatz: Notfall nach Schlangenbiss. Ich bekam ein bisschen Panik: Hoffentlich war die Schlange nicht mehr da. Oder vielleicht meinte der Anrufer seine Frau? Konnte man ja nie wissen…
Also mit Blaulicht und Tröte ab ins Dorf. Dort angekommen, wurde Mark sehr unruhig. Er wollte erst gar nicht aussteigen und seine Blicke schweiften von rechts nach links, von unten nach oben. Ich musste innerlich grinsen. Der ach so starke und taffe Mark hatte doch nicht etwa Angst vor Schlangen? „Das wird sicher amüsant“, dachte ich. Von der Schlange fehlte zunächst noch jede Spur, genauso wie vom Patienten. Nach ein bisschen Suche fanden wir die Frau und ihren toxischen Ehemann dann im Garten hinter dem Haus. RTW und Notarzt trafen kurz darauf auch ein und nachdem wir die Info hatten, um welche Schlange es sich handelte, spurtete ich zum Funk um zu klären, wohin der Patient transportiert werden sollte:
„Leitstelle für KTW 08/15“
„Hier die Leitstelle, kommen“
„Patient toxisch nach Schlangenbiss einer Mamba, Notarzt und RTW anwesend“
„Ja der Transport geht nach München“
„Mit Heli?“
„Wie ist denn der Blutdruck?“
Ich war einen kurzen Moment sprachlos. Was will die wissen? Den Blutdruck? Geht’s noch? Die soll ihren Job machen und nicht Müll labern. Einmal mit Profis…
„92/56; Puls 112,73“
„Hä? Also Schockzustand?“
„… Wann kommt der Heli?“
„Ist der Patienten denn stabil genug für den Hubschrauber?“
„Der Doktor sagt ja.“
„Ist das sicher?“
„Wollt ihr den Namen der Schlange auch wissen?“
„Bitte..?“
„Ja, der Heli kann auf dem Feld vor dem Haus landen. Ich melde mich telefonisch“
„Verstanden.“
Nicht zu fassen. Werden die nach Anwesenheit bezahlt oder fürs Denken? Besser nicht weiter drüber grübeln… Ich sollte mich mal wieder meinem Patienten zuwenden. Auf dem Weg ins Haus hörte ich plötzlich einen lauten Schrei…