Mein erster Gedanke war: “Scheiße! Kontrolliere deine Gesichtszüge.” Ich musste mich blitzschnell für eine Taktik entscheiden: Abstreiten oder Flucht. Aber ich war mitten auf dem Land, rechts und links nur Wiesen und Wald. Zudem war ich nicht darauf vorbereitet und wenn ich in der Situation geflüchtet wäre, hätte ich nicht mehr in meine Wohnung gekonnt. Also entschied ich mich für abstreiten: ”Was denn für Fahndungsfotos? Ich bin Rettungsdienstler und kein Verbrecher!” In den Augen des Polizisten sah ich Zweifel. Er überlegte kurz und meinte dann: “Ich glaube, ich habe mich vertan. Aber du hast echt verdammte Ähnlichkeit mit einem gesuchten Drogendealer hier in der Region, von dem wir jetzt endlich nach langer Zeit Fotos von einer Überwachungskamera haben. Hast du mal einen Ausweis da?” Hatte ich natürlich, aber nicht für ihn: “Ne, sorry, ich hab mein Portmonai in der Wache liegen lassen. War etwas hektisch, als wir gefahren sind.” Zum Glück schluckte er das und verabschiedete sich.
Der Rest der Schicht verlief ruhig, was auch ganz gut war, denn mein Kopf qualmte. Was sollte ich nun tun? Die Situation auf der Landstraße konnte ich zwar gerade noch so zum Guten wenden, aber was, wenn der Polizist weiter forscht? Von Anfang an hatte ich für exakt diese Situation einen Fluchtplan erarbeitet und nun war es an der Zeit, ihn zu verwirklichen. Das würde zwar nicht einfach werden, schon alleine, da ich alle Freunde und Bekannte zurücklassen müsste, aber Knast war halt auch keine akzeptable Alternative. Wie war ich eigentlich in die Situation gekommen? Einige Zeit nach meinem Umzug von der Großstadt, in der ich aufgewachsen war, in die beschauliche Kleinstadt kam ich in Geldsorgen. Zu teure Wohnung, zu teures Auto, zu teure Partynächte, das Übliche halt… So suchte ich nach alternativen Einnahmequellen, bei denen sich der Staat nicht die Hälfte krallt. Schon in meiner Heimatstadt hatte ich den ein oder anderen Kontakt in die Drogenszene, mich dann aber komplett zurückgezogen, weil ich eigentlich ein ganz normales und braves Leben leben wollte. Nun brauchte ich aber Geld und mit ein bisschen Recherche stellte sich heraus, dass es in der Kleinstadt gar kein Angebot gab, obwohl die Nachfrage durchaus da war. Das war meine Chance, die ich nutzte und die Szene in der Stadt aufbaute. Damit wurde ich zum King der Unterwelt in Teilzeit, denn mein eigentliches Leben mit anständiger Arbeit, Freunden und der Frau daheim musste auch weitergehen.
Aber nun war ich so gut wie aufgeflogen… Nach dem Dienst fuhr ich heim und ging auf den Dachboden, wo ich für den Fall der Fälle alles vorbereitet hatte: Eine Tasche mit den nötigsten Sachen und ein paar falsche Pässe. Meine Freundin war arbeiten, so dass ich nicht weiter auffiel. Der Gedanke, sie möglicherweise nie wieder zu sehen, schmerzte schon, aber es gab einfach keine Alternative und es musste schnell gehen. Ich lief die Treppen zum Ausgang hinunter, doch kurz bevor ich dort ankam, konnte ich durch die Fenster im Treppenhaus beobachten, wie ein auffällig unauffälliger 5er BMW vor meiner Haustür vor fuhr. Die zwei Männer im Auto sahen extrem verdächtig nach Zivilpolizei aus…

hallo kollege
Pssssst! Darf doch niemand wissen, mit wem ich zusammengearbeitet habe!
[...] 3,5 Monate war es nun her, seit meine Flucht scheiterte. Nach der Festnahme wurde ich ins örtliche Polizeipräsidium zur Vernehmung durch die [...]