Es war ein später Freitagabend, Stefan war gerade auf der Autobahn auf dem Weg nach Hause. Es war wieder eine lange und anstrengende Arbeitswoche vor Ort bei einem der schwierigsten Kunden gewesen. Aber nun freute er sich auf sein eigenes Bett und ein schönes Wochenende, ehe es am Montag wieder quer durch Deutschland zu einem anderen Kunden gehen sollte. Aber daran wollte er noch gar nicht denken…
Stefan war in der IT-Branche beschäftigt und dafür zuständig, Software-Auslieferungen von seinem Arbeitgeber bei den Kunden vor Ort zu betreuen. Wenn etwas nicht reibungslos lief, war er Ansprechpartner vor Ort oder auch, wenn gar nichts lief, Prügelknabe vor Ort. Aber er mochte seinen Job schon alleine, weil er viel unterwegs war. Jeden Tag den gleichen Weg in die Arbeit und zurück zu fahren, konnte er sich überhaupt nicht vorstellen.
Nun war also wieder eine Woche überstanden und das Wochenende stand vor der Tür. Für den Samstagabend hatte er ein Date mit einer Bekannten ausgemacht, darauf freute er sich sehr, hatte aber auch ein bisschen Angst, denn er wollte ihr an diesem Abend seine Gefühle für sie gestehen. Bis dahin war noch viel zu erledigen: Der Haushalt musste geschmissen werden und er musste sich auch noch aufhübschen, sprich: zum Friseur gehen.
Es waren noch gute 170 Kilometer zu fahren, kurz vor Halbzeit der Strecke, als er merkte, dass er zunehmend müde wurde. Aber das kannte er schon von diversen Fahrten. Für ihn kein Grund, die Geschwindigkeit zu reduzieren und schon gar kein Grund, eine Pause einzulegen. Das würde schließlich nur Zeit kosten…
In Gedanken hing er die ganze Zeit bei seinem Date. Er ging alle Möglichkeiten, wie es laufen konnte, durch. Es machte ihn verrückt, dass das nichts war, was er von A bis Z planen konnte, sondern von der nicht vorhersehbaren Reaktion der Bekannten abhängig war. Er versuchte sich selber zu beruhigen, indem er sich sagte, dass es eh kommen würde, wie es kommt.
Er war gerade auf einer zweispurigen Autobahn mit 250 km/h unterwegs. Es war kaum noch Verkehr, um die Zeit waren die meisten Leute schon im Wochenende bei ihrer Familie. Er fuhr gerade um eine Kurve, dahinter sah er in noch weiter Entfernung einen LKW und dahinter ein langsameres Auto. Die weite Entfernung war schnell gefahren, aber kurz bevor er auf gleicher Höhe war, setzte der PKW den Blinker und begann, auf die linke Spur zu ziehen. Stefan wusste sofort, dass das nicht reichen wird…